ICE-Trasse: Trassennaher Ausbau kommt offenbar nicht in die Abwägung

Startschuss für Bahn-Ausbau Hannover-Bielefeld

LANDKREIS. Es ist soweit: Der Startschuss für das hoch umstrittene Bahnprojekt ABS/NBS Hannover-Bielefeld ist jetzt gefallen. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat den entsprechenden Planungsauftrag erteilt. Fünf Varianten sollen untersucht werden. Die Überraschung: Der trassennahe Ausbau der bestehenden Bahnstrecke Hannover-Minden soll nicht Bestandteil der Untersuchung sein. Wir stellen die fünf Varianten, die jetzt in Frage kommen, vor:

LANDKREIS. Worauf Anwohner, Kommunalpolitiker, Bürgerinitiativen und Naturschutzverbände seit Monaten gewartet haben, ist nun eingetreten: Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) hat mit der Erteilung des Planungsauftrags den offiziellen Startschuss für das hoch umstrittene Bahnprojekt ABS/NBS Hannover-Bielefeld gegeben. Damit liegt die Verantwortung für das Planverfahren, das nach den Vorgaben des neuen Maßnahmegesetzvorbereitungsgesetz durchgeführt werden und auch eine umfangreiche Bürgerbeteiligung beinhalten soll, fortan bei der Bahn. Genauer: Bei der für die Infrastruktur zuständigen Konzerntochter DB Netz AG. Sie wird nach jetzigem Stand mit fünf potentiellen Varianten für das Projekt in das Verfahren starten.

Trassennaher Ausbau nicht Teil der Untersuchung

Wie aus Unterlagen des Ministeriums, die dieser Redaktion vorliegen, hervorgeht, wird der von der heimischen Politik befürwortete trassennahe Ausbau der bestehenden Bahnstrecke Hannover-Minden nicht Bestandteil der Untersuchung sein.

In der schriftlich vorliegenden rechtlichen Einordnung des Projekts wird als Ziel die Reduzierung der Fahrzeit zwischen Bielefeld und Hannover von derzeit 48 Minuten auf „ca. 30 Minuten“ genannt. Bei einer deutlichen Überschreitung dieser Fahrzeit würden wichtige Anschlüsse in den Knotenbahnhöfen verfehlt und damit die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme verringert.

Planungsgrundlage für die DB Netz AG soll der am 30. Juni vorgelegte dritte und abschließende Gutachterentwurf für den Deutschland-Takt sein. Da der Zielfahrplan für den Deutschland-Takt keine Gesetz, sondern eine „Fachplanung der Exekutive“ sei, werde er dem Deutschen Bundestag nicht zur Abstimmung vorgelegt.

Variante 1: Neue Abschnitte durch Bückeburger Niederung und Jakobsberg

Als Variante 1 nennen die Unterlagen den bekannten Entwurf aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 vom Frühjahr 2016: Er sieht zwei Neubauabschnitte bei Wunstorf und nördlich von Bückeburg durch die Bückeburger Niederung sowie zwei Tunnel unter Evesen und durch den Jakobsberg bei Porta Westfalica vor. In den Erläuterungen zu den Entwurfsvarianten wird ausdrücklich darauf verwiesen, dass diese Variante mit 1,9 Milliarden zwar die kostengünstigste sei, mit einer Einsparung von nur sieben Minuten Fahrzeit den Zielfahrplan aber deutlich verfehlt.

Variante 2: 80 Kilometer lange Neubaustrecke

Variante 2 sieht eine zweigleisige, rund 80 Kilometer lange Neubaustrecke von Seelze nach Brake für 300 Stundenkilometer vor. Sie würde weitestgehend mit der Autobahn 2 gebündelt und auf Grund des bergigen Geländes zu fast der Hälfte im Tunnel verlaufen. Mit ihr würde das Fahrzeitziel des Deutschland-Takts klar erreicht, mit knapp 6 Milliarden aber auch die höchsten Kosten verursacht.

Variante 3: Neubau nur auf der Strecke Seelze-Bad Oeynhausen

Variante 3 reduziert den Neubau auf die Strecke Seelze-Bad Oeynhausen und würde zusätzlich einen Ausbau der Bestandsstrecke zwischen Bad Oeynhausen und Brake für Geschwindigkeiten bis zu 230 Stundenkilometer beinhalten.  In den Erläuterungen wird darauf hingewiesen, dass diese Variante die Gesamtkosten nur unwesentlich auf etwa 5,5 Milliarden reduzieren, zugleich aber die Fahrzeit Bielefeld-Hannover auf 34 Minuten erhöhen würde. Diese würde dann ebenfalls den Anforderungen des Deutschland-Takts nicht mehr gerecht.

Variante 4: Eine „abgespeckte“ Variante 3

Variante 4 entspricht hinsichtlich des Neubaus Seelze-Bad-Oeynhausen der Variante 3, verzichtet aber auf den Ausbau der Bestandsstrecke nach Brake. Dadurch würden die Kosten noch einmal auf 4,5 Milliarden reduziert, die Fahrzeit hingegen auf 37 Minuten steigen.

Variante 5: Tunnel unter Harrl und Wesergebirge

Über Variante 5 wurde von unserer Zeitung bereits im Mai 2019 intensiv unter dem Schlagwort „Idaturm-Trasse“ spekuliert. Sie würde unter Umfahrung von Wunstorf bis Echtorf mit der Bestandsstrecke gebündelt, dann mittels Tunnel unter dem Harrl und dem Wesergebirge hindurchgeführt und anschließend nahe der Autobahn A2 bis Brake verlaufen. Mit dieser, nur 4,9 Milliarden teuren Variante würde zum einen das Fahrzeitziel des Deutschland-Takts erfüllt, zum anderen aber auch die Fahrzeit Hannover-Minden um fünf Minuten reduziert – auch dies eine Forderung des Zielfahrplans.

Weiterer Zeitplan: Auftaktveranstaltung noch im Dezember

Zum Zeitplan nennen die Projektunterlagen eine öffentliche Auftaktveranstaltung noch im Dezember 2020 im Raum Porta Westfalica mit Staatssekretär Enak Ferlemann und den Verkehrsministerien der Bundesländer Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Im ersten Halbjahr 2021 werde das Beteiligungsverfahren zur Trassenfindung beginnen.

Im ersten Halbjahr 2022 sollen erste Grobtrassierungen vorliegen. Im zweiten Halbjahr 2022 sollen dann alle erforderlichen Unterlagen für das Raumordnungsverfahren eingereicht werden.

Quelle: SZLZ.de vom 25.11.2020 von Johannes Pietsch

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