Wir sind Bahnfreunde und setzen uns dafür ein, dass dieses Verkehrsmittel für alle besser wird! Das Geld, dass das Bundesverkehrsministerium für die Schiene bereit stellt, muss ökologisch und ökonomisch eingesetzt werden. Wir fordern die Instandsetzung und Modernisierung der Bahninfrastruktur.
Wir fordern die Überarbeitung des Zielfahrplans – für die Bahn – für die Region – für die Umwelt.
Unser besonderer Augenmerk liegt auf der Bahnstrecke Hannover – Bielefeld.


Fachtagung – Hochgeschwindigkeitsstrecken und der Klimawandel

Am 05.11.2022 veranstaltete die Arbeitsgemeinschaft der Naturschutzverbände in Ostwestfalen-Lippe und Niedersachsen im Preußenmuseum in Minden eine Fachtagung zum Thema

„ICE Hochgeschwindigkeitsstrecken und Klimawandel – Anspruch und Wirklichkeit. Wie klimafreundlich ist die geplante ICE Ausbau-/Neubaustrecke Hannover- Bielefeld?“

ZeitBeitrag
0:30:26 – 0:32:27Eröffnung Moderator Michael Blaschke
0:32:44 – 0:41:44Udo Schiefner Vors. Bundesverkehrsausschuss
0:42:20 – 0:47:05Heide Naderer NABU NRW
0:48:10 – 0:53:10Marja-Liisa Völlers MdB SPD (Grusswort)
0:58:23 – 1:25:40Jürgen Birtsch AG der Naturschutzverbände
1:26:30 – 2:10:13Prof. Dr. Wolfgang Hesse LMU München
2:10:25 – 3:10:45Stephan Schröder Bahnzentrum
3:59:50 – 4:46:50Hendrik Auhagen Klimabahn-Initiative
4:47:34 – 5:20:00Thorsten Koska Wuppertal-Institut
5:49:00 – 6:47:37Podiumsdiskussion:
Claudia Grimm Pro-Ausbau
Holger Sticht BUND NRW
Holger Buschmann NABU Niedersachsen
Stefan Schwartze MdB SPD
Robin Wagener MdB Grüne
Dr. Oliver Vogt MdB CDU
6:47:40 – 6:57:00Schlusswort Karsten Otte AG der Naturschutzverbände
Zeitleiste – Beiträge – Youtube 05.11.2022

InterviewHesse05-11-2022


fachtagung-JP



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Sekt, Schnittchen und Schuss nicht gehört

Das Verkehrsministerium feiert den Zielfahrplan als Klimaretter

Derzeit tourt das Bundesverkehrsministerium (BMDV) durch Deutschland und zelebriert den Abschluss der Konzeption Deutschlandtakt. Auf Regionalkonferenzen wird die Politik von Öfter-Schneller-Überall gefeiert. Pro-Ausbau war zur dritten Regionalkonferenz in Hamburg eingeladen. Am 25.10.2022 wurde im alten Zollhaus mit bekannten Größen der Politik und Wirtschaft der Startschuss für die Umsetzung des Zielfahrplans eingeläutet.

Michael Theurer, Bahnbeautragter der Bundesregierung, und sein Vorgesetzter Verkehrsminister Wissing übernehmen nahtlos die politische Zielrichtung der Vorgänger:

  • weitere Planungsbeschleunigung zur schnelleren Zementierung von politisch gewollten Bauvorhaben
  • ein Jahrzehnte andauernder, häppchenweiser, milliardenschwerster, allerhöchst CO2-baubelasteter Aus- und Neubau der Bahninfrastruktur = Finalisierung des 3. Zielfahrplans.

Was nicht passt wird passend gemacht

Die Planungsbeschleunigung geht natürlich einher mit weiterer Einsparung bei den Bürgerrechten. Verwaltungsgerichte sollen personell aufgestockt werden, damit Urteile schneller gefällt werden … wohlgemerkt jene Rechtsinstanz, die ohnehin nur von nervenstarken und geldsorgenfreien betroffenen Bürgern angerufen werden kann. Na, super!

Der Zielfahrplan ist jetzt der Bauplan. Der Zielfahrplan, der von der Familie Bahnbranche ausgetüftelt wurde. Im letzten Jahrzehnt des billigen Erdgases, der Verpeilung der Klimaziele, des Mantra der Höchstgeschwindigkeit als Problemlöser, der Schönrechnerei von echten Kosten und der CO2-Emission.

Zeitenwende – haben wir was verpasst?

Man könnte doch meinen, dass die Zeitwende von bedrohlichem und schneller-als-gedacht durchschlagendem Klima-Wandel eine Änderung der Denkweise hervorruft. Man könnte doch denken, dass der Ressourcenverbrauch öfter-schneller-überall vermindert wird … wenn nicht vermieden wird.

Stattdessen wird dieser Zielfahrplan der Ära des „Weiter so“ eben genauso umgesetzt: Weiter so!

Regionalkonferenz mit deutlicher Kritik!

Anna-Theresa Korbutt (Geschäftsführerin des Hamburger Verkehrsbundes HVV): für die Umsetzung des viel gelobten Integralen Taktfahrplans in der Schweiz wurden alle politischen und gesellschaftlichen Vertreter an einen Tisch geholt, um schon vorab in der Konzeptionsphase ein höchstes Maß an Einigkeit zu erzielen.
Anmerkung dazu: in Deutschland wurde der Schienenpakt ins Leben gerufen. Eine miteinander vernetzte, beteiligte, monetär verquickte Gruppe von Bahnbranche, Bahnwirtschaft, Bahnlobbyisten. Dieser Schienenpakt wundert sich jetzt darüber, dass die vielen Nichtgefragten und Nichtgehörten Vertreter der Gesellschaft oder Umweltverbände ihre konstruktiven Beiträge zur Bahnpolitik nachreichen!

Mario Reiß (Stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer GDL): mit welchem Personal soll die Infrastruktur geplant, gebaut, gefahren werden? Das Experiment 9-EuroTicket hat gezeigt, wo überall im Bahnalltag mit Problemen zu kämpfen ist.
Anmerkung dazu: Einmal mehr wird deutlich, dass die bloße politische Zielrichtung von „mehr Fahrgäste, mehr Güterverkehr“ mit einem solchen Zielfahrplan nicht gelöst werden.

Roger Mahler (Geschäftsführer METRANS Rail Deutschland GmbH): die weitere Bevorzugung des Hochgeschwindigkeits-Fernverkehrs bringt in der Praxis den Schienen-Güterverkehr wieder mal ins Hintertreffen. Dem Güterverkehr werden Wartezeiten und absurde Umwege zugemutet. Auch hier gilt die Frage, mit welchem Personal das gefahren werden soll.
Anmerkung dazu: der Schienen-Güterverkehr dient allzu oft nur als Deckmäntelchen. Rein rechnerisch macht sich das für das Kosten-Nutzen-Verhältnis gut, wenn der Güterverkehr mit eingerechnet wird. Was dann nach der Zementierung von Strecken wrklich auf der Schiene gefahren wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Grossraum-Diskussion, Austausch … abgewürgt

Wir hatten eine Kritikschrift vorbereitet, falls wir überhaupt zu Wort kommen würden. Selbstverständlich sollten dann an dem Abend unbequeme Wortbeiträge die Feierlichkeiten nicht stören. Daher waren Diskussionsbeiträge aus den Zuhörerreihen gar nicht geplant. Vermutlich waren auch die deutlichen Kritiken der Podiumsrunde nicht so recht gewollt, denn die Moderation war bemüht, dem nicht allzu viel Raum zu geben.
Im abschließenden Netzwerkabend musste man sich also einzelne Gesprächspartner suchen und zu einem Gespräch nötigen. Ein einfaches Stehengelassenwerden mit der Bemerkung „Ich muss jetzt erstmal was essen“ war nur eine der Strategien, sich vor einer echten Diskussion mit Kritikern des 3. Zielfahrplans zu drücken.

Die Bürgerinitiativen
Prellbock-Altona
WiduLand
Pro-Ausbau
waren gemeinsam in Hamburg, um ihre Positionen zu vertreten.
Zusammen mit dem Projektbeirat Alpha-E und den Bürgerinitiativen Alpha-E setzen wir uns für eine sinnvolle, vernünftige und echte Klima-Bahn ein.


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KonferenzHamburg

Bahn-Report: Umweltschutz und Deutschlandtakt – kein Anschluss?

Heft 6/2022 ist erschienen! Lesen Sie den überaus aufschlussreichen Artikel zum Deutschlandtakt von Dr. Jan-Hinrich Thies!

Bahn-Report erhalten Sie im gut sortierten Zeitschriftenhandel.

Wir haben den Artikel gelesen und machen uns unsere Gedanken:

Kann der jetzige Deutschlandtakt-Zielfahrplan Ziele erreichen wie

  • eine echte Verkehrswende mit der Bahn
  • den Schienenverkehr attraktiver machen
  • die Treibhausgasemissionen reduzieren?

Am Beispiel der Bahnverbindung Hannover – Hamm (!) sollen einige Fragen beleuchtet werden.

Sind Fahrzeiten unter 4 Stunden zwischen zwei Metropolen attraktiv genug?

Die Behauptung, eine ICE-Reisezeit von weniger als 4 Stunden bewirkt einen Rückgang der Flugreisendenzahlen, bleibt eine Behauptung. Daher die Reisezeit unter anderem zwischen Hannover und Hamm mit aufwendigsten Hochgeschwindigkeitsstrecken zu reduzieren, ist demnach nicht zielführend und daher fragwürdig.

Ist die gewollte Verdoppelung der Fahrgäste ein realistisches Ziel?

Ein so gesetztes Ziel wäre nur mit einem Integralen Taktfahrplan mit noch mehr Knotenbahnhöfen und Zugverbindungen möglich. Das kann der 3. Zielfahrplan gar nicht erreichen.

Passen die Planungen überhaupt zum Ziel?

Nicht nur, dass zwischen zwei Haupt-Knotenbahnhöfen wie Hannover und Hamm die aktuell laufenden Planungen nur bis zum Neben-Knotenbahnhof Bielefeld gehen, ist fragwürdig. Sondern ebenso der bisher nur mal so gedachte – bisher gesetzlich nicht mal verankerte – Abriss einer funktionierenden Strecke mit anschließendem Neubau ab Bielefeld bis Hamm. So sehen Klima-Schutz und CO2-Einsparung aus?

Schafft man es überhaupt, den Anteil des Güterverkehrs auf 25 Prozent zu erhöhen?

Die für den Schienengüterverkehr durchaus relevante Magistrale von Ost nach West passt genau zu den von den Vertretern der Güterverkehr-Branche erhobenen Vorwürfen: der Güterverkehr ist das Stiefkind des 3. Zielfahrplans. Zwischen Hannover und Hamm bringt’s nichts ein, außer längere Fahrzeiten und höheren Energieverbrauch.

ICEs und ihr Stromverbrauch

Kurz gesagt: je schneller, desto viel viel mehr! Das auch Öko-Strom erstmal hergestellt werden muss und auch zukünftig eine kostbare Ressource sein wird, bleibt immer hinter der Kurzfassung Die Bahn ist das umweltfreundlichste Verkehrsmittel zurück.

Was sagt uns das?

Die für den 3. Zielfahrplan benötigte Infrastruktur passt nicht zu den Zielen und Vorgaben des Bundesklimaschutzgesetzes.

Quelle: Bahn-Report 06-2022

Wandern im Natura2000-Wald
Untergräbt die ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke den Naturschutz?

Die Arbeitsgruppe „Umwelt und Landschaft“ der Bürgerinitiative WiduLand hat eine geführte Wanderung durch den Natura2000-Wald über den Obernberg organisiert. Am 22.10.2022 führten Förster durch das Naturschutzgebiet, das gleichzeitig im Suchraum der DB Netz AG für die geplante ICE-Hochgeschwindigkeitsstrecke Hannover – Bielefeld liegt.

Die zurzeit laufenden Vorplanungen der Bahn werden auch Naturschutzgebiete der höchsten Kategorie betreffen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. An dieser Stelle macht die Topografie eine Tunnelbohrung unausweichlich.
Grafik: WiduLand.de/OpenstreetMap

Ob ein solches Baugeschehen dem Naturschutz den Rang abläuft ist also eine berechtigte Frage. Wieder einmal mehr stellt der politische Wille, eine Hochgeschwindigkeitsstrecke im Namen des derzeitigen 3. Zielfahrplans (Deutschlandtakt-Fahrplan) zu bauen, die Ernsthaftigkeit von Natur- und Klimaschutz in Frage.

Kein „Weiter so“! Auch hier zeigen sich die Naturschutzverbände zusammen mit den Bürgerinitiativen WiduLand, Bigtab und Pro-Ausbau geschlossen. Der unstrittige Engpass der Bahninfrastruktur muss beseitigt werden, die Bahn mit einem maßvoll durchdachten Ausbau gestärkt werden. Wir wollen keine Opfer einer überkandidelten Berliner Hochgeschwindigkeits-Prestige-Politik werden! Daher fordern wir wiederholt die Revision des derzeitigen Zielfahrplans – die Wurzel des geplanten Bahn-Übels.

Deutschlandtakt – eine viel zu gute Idee, um sie zu vermasseln 🙂

Unsere Forderung: Ein unabhängiger Projektbeirat muss Revisionsvorschläge für ein nachhaltiges, bezahlbares, realistisch zu verwirklichendes ITF-Konzept erarbeiten! Der Zielfahrplan 2030+ (bisher gemäß des 3. Gutachter-Entwurfs) muss neu berechnet werden!

Verkehrsexperten wie der Mathematiker und ITF-Experte Prof. Dr. Wolfgang Hesse raten dringend zu Verbesserungen der jetzigen Version des 3. Gutachter-Entwurfs. Und zwar bevor einzelne Streckenabschnitte in die Landschaft betoniert werden, die später mit ihrer Fehlerhaftigkeit, Unnützigkeit und Steuergeldverschwendung für Ärger sorgen. Das Konstrukt Deutschlandtakt ist eine politische Entscheidung der Bundesregierung. Dort sollte mit besonderem Augenmaß und großem Weitblick gearbeitet werden; denn mit einem fehlerhaften und zu kurz gedachten Taktfahrplan, bringt man eine hervorragende Idee schnell zum Entgleisen!

Weitere Informationen finden Sie im Menue der Webseite.


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