Der Deutschlandtakt am Scheideweg

Ein Artikel von Prof. Dr. Wolfgang Hesse in der ERI (Eisenbahn-Revue International), Ausgabe vom Januar 2022 – erhältlich in jedem gut sortierten Zeitschriftenhandel.

Prof. Hesse argumentiert in seiner Thesen-Aufstellung, warum die Zielfahrpläne des Deutschlandtakts dringend revidiert werden müssen.

Unsere Zusammenfassung:

Der Fahrplan bestimmt die Infrastruktur

Die Grundaussage, die einem integralen Taktfahrplan folgt, ist der richtige Weg für die Bahn. Aber! Es gibt hinreichend Argumente dafür, dass das nicht mit dem jetzigen 3. Zielfahrplan umgesetzt werden sollte.

Die jetzigen Zielfahrpläne sind viel zu knapp bemessen und erfordern Großprojekte, die in ihrer übersteigerten Ambition das Vorhaben Deutschlandtakt gefährden

Neben kontraproduktiven Bahnhofsumbauten und-neubauten werden zur Erläuterung die Strecken Hannover – Bielefeld sowie Hannover – Hamburg betrachtet.

Theorie und Praxis – berechnet und nicht praktikabel

Ein berechneter Taktfahrplan, der nicht praktikabel ist, bringt den Deutschlandtakt aus dem Takt. Wo an der falschen Stelle Zugeständnisse an das System Integraler Taktfahrplan gemacht werden, verpassen die Bahnkunden die Anschlusszüge … und verbessert nichts am System Bahn.

Die Knotenpunkte sind das Gerüst des Integralen Taktfahrplans. Groß-Knotenpunkte müssen ganz besonders betrachtet werden

Ein schief stehendes Gerüst hält keine Belastung aus. Vor diesen Problemstellungen stehen auch Groß-Bahnhöfe Deutschlands. Vollknoten – Doppel-Knoten – Verteilter Knoten sind Lösungsansätze für hochfrequentierte Bahnhöfe. Als Beispiele dienen der zu trauriger Berühmheit gelangte Bahnhof in Stuttgart, das zu hinterfragende Bahnhofprojekt Hamburg-Diebsteich und der stark belastete Bahnhof Hannover.

Hochgeschwindigkeitsprojekte gehen vor – aus dem Fokus fallen die vielen Normalstrecken

Einzelne vorzeigbare Hochgeschwindigkeitsstrecken verbessern nicht die Gesamt-Bahninfrastruktur. Streckenstillegungen und kaputte Gleise und Brücken sind das schwache Glied in der Kette. Besser ist der Blick auf’s Ganze – zugunsten der Bahnkunden. Der Deutschlandtakt muss bezahlbar und ganzheitlich umsetzbar sein, damit daraus kein jahrzehntelang durchgeschlepptes und schlecht funktionierendes Flickwerk wird.

Dem Güterverkehr wird zu wenig Raum geboten

Die Bevorzugung des Personenverkehrs vor dem Güterverkehr zieht sich durch die meisten Berichterstattungen. Da muss nachgebessert werden, damit dem Vorhaben Mehr Güter auf die Schiene auch der gebührende Platz geboten werden kann.

Umwelt- und Klimaschutz – viel zu wenig berücksichtigt

Die Berechnungen zum Zielfahrplan des Deutschlandtakts folgten den Wünschen von vielen Interessenten. Relevante Vorgaben für den Umweltschutz und Klimaschutz sind den Zielen der sogenannten Stakeholdern zum Opfer gefallen. Das ist nicht länger hinnehmbar.

Revision des aktuellen 3. Zielfahrplans

Die aufgezeigten Fehlerquellen der jetzigen Zielfahrpläne können durch eine erneute Betrachtung und Bewertung korrigiert werden. Das sollte auch das Anliegen des Verkehrsministeriums sein.


Tja, liebe Leute – gute Idee, politisch vermurkst? Das wäre wirklich ein Desaster, wenn die Bahnpolitik in Deutschland erneut und wiederholt zum Entgleisen gebracht würde. Es gibt Lösungsvorschläge, die der Bahn und den Bahnkunden zugute kämen. Also, packen wir’s an: Zielfahrplan revisionieren und für einen massvollen, den Bedürfnissen der Fahrgäste sowie des Umwelt- und Landschaftsschutzes verpflichteten Ausbau der (Schienen-)Verkehrsinfrastruktur sorgen. Eine solchermassen aufgestellte Bahn wäre in der Lage, ihre Fahrgäste wieder vor Ort abzuholen, verlässlich, pünktlich und komfortabel zu transportieren und sich statt als „Flieger auf Schienen“, Tunnel-Weltmeister und Klimasünder als Verkehrsmittel für alle zu präsentieren.

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