Bigtab-Veranstaltung: Angst vor dem Bau der Idaturm-Trasse in Bückeburg nimmt zu

Lange Zeit war die Angst vor einer ICE-Trasse in Bückeburg sehr gering, standen immerhin alle Zeichen auf einen Neubau im Auetal. Doch mit der offiziellen Auftragsvergabe wächst jetzt auch in Bückeburg wieder die Befürchtung, dass die Idaturm-Trasse doch noch nicht vom Tisch ist. Das Interesse an dem Bahnneubau wächst wieder.

Bückeburg – Rund zwei Jahre lang hatte die primär in Bückeburg, Minden und Porta Westfalica aktive Bürgerinitiative Bigtab ein echtes Luxusproblem: Nach Veröffentlichung des Zielfahrplans für den Deutschland-Takt im Oktober 2018 und den Äußerungen aus dem Bundesverkehrsministerium über eine mögliche ICE-Neubaustrecke durch das Auetal schien auf einmal für die Region Bückeburg die Gefahr eines Bahnstreckenneubaus vor der Haustür gebannt. Dementsprechend verhalten fiel lange Zeit auch das Interesse an deren Aktivitäten aus.

Doch seit der offiziellen Auftragsvergabe über das Bahnprojekt Hannover-Bielefeld an die DB Netz AG und der Veröffentlichung der fünf Entwurfsvarianten aus dem Bundesverkehrsministerium hat sich das schlagartig verändert: Seitdem ist nicht nur der Jakobsbergtunnel von 2016 auf einmal wieder auf dem Tisch. Auch die sogenannte Idaturm-Trasse, die östlich von Bückeburg Richtung Bergdorf sowie anschließend mit einem Tunnel unter dem Harrl nach Süden verlaufen würde und über die diese Zeitung bereits im Oktober 2018 das erste Mal spekulierte, entpuppte sich jetzt als ganz reale Option. Deutlich gestiegen dadurch auch wieder das Interesse am Thema Bahnausbau: Mehr als 80 Personen nahmen am ersten Online-Info-Abend der Bürgerinitiative Bigtab dieses Jahres teil.

Bahn alleine fällt Entscheidung

Bigtab-Sprecher Thomas Rippke und seine Vorstandskollegin Gesine Frank erläuterten dabei in Kurzform den Sachstand und wiesen dabei noch einmal ausdrücklich auf die am 14. Januar stattfindende Auftaktveranstaltung zum Bürgerdialog der DB Netz AG hin. Im Rahmen dieses auf knapp zwei Jahre angesetzten Dialogverfahrens soll zwischen Bahn, Kommunen und den Vertretern der Zivilgesellschaft wie Bürgerinitiativen und Naturschutzverbänden eine Konsens-Trasse erarbeitet werden. Ob das Ergebnis dieses Dialogverfahrens rechtlich verbindlich sei, wollte Johanna Harmening aus Bückeburg wissen. Klare Antwort von Claudia Grimm von der Auetaler Initiative „Pro Ausbau“: Nein.

Das konnte auch Eva von Löbbecke, Vorsitzende des Fördervereins Bückeburger Niederung, aufgrund ihres ersten Vorgesprächs mit den Projektverantwortlichen der DB Netz AG bestätigen: Unabhängig, ob es im Bürgerdialog überhaupt einen Konsens gebe oder nicht, falle am Ende die Entscheidung über den konkreten Trassenverlauf die Bahn allein.

Einige Grüne sprechen sich gegen Ausbau aus

So weit will es die Bigtab aber gar nicht erst kommen lassen. Mit einer jüngst gegründeten Arbeitsgruppe aus lokalen Politikern, Bahnfachleuten und Juristen soll bereits im Rahmen der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung der Hebel angesetzt werden, um auch den von der heimischen Region geschlossen befürworteten trassennahen Ausbau der bestehenden Bahnstrecke in die Untersuchung mit einzubeziehen und letztlich durchzusetzen.

Genau der scheint vor allem für die Partei Bündnis 90/Die Grünen ein hochproblematisches Thema zu sein: So sprach sich beispielsweise vor Kurzem der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Matthias Gastel, gegen den trassennahen Ausbau zwischen Hannover und Minden aus. Begründung: Mit ihm funktioniere der Deutschland-Takt nicht.

Kein Neubau mitten in der Landschaft

Widerspruch von Thomas Rippke während des Online-Info-Abends: „Stimmt nicht, das geht sogar sehr gut.“ Belegen lasse sich dies unter anderem durch die fahrplantechnischen Ausarbeitungen des Bielefelder Eisenbahningenieurs Stephan Schröder.

Auch Cornelia Laasch, Grünen-Ratsfrau aus Bückeburg, sieht ihre Partei auf einer gänzlich anderen Linie als ihr Parteifreund Gastel aus Stuttgart: Zusammen mit den Grünen aus Ostwestfalen-Lippe werde man sich seitens der Mitglieder in Schaumburg entschieden für den trassennahen Ausbau einsetzen. Wodurch sich Rippke veranlasst sah, die grundsätzliche Forderungsrichtung seiner Bürgerinitiative noch einmal zu präzisieren: „Wir wollen nicht Bahn-Infrastruktur verhindern, sondern im Gegenteil: Wir brauchen sie jetzt. Aber wir wollen sie menschen- und umweltverträglich und nicht als Neubau mitten in der Landschaft.“

Quelle: SN-online.de vom 08.01.2020 Autor: Johannes Pietsch

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