„Es gibt keine Vorzugsvariante“

Deutsche Bahn beginnt mit der Planung für den Neu- und Ausbau der Strecke Bielefeld-Hannover

Folgende bestehende und mögliche neue Teilabschnitte spielen bei der Planung eines Trassenneu- und/oder -ausbaus eine Rolle: Die Bestandstrasse (rot) könnte weiter zwischen Minden und Porta Westfalica durch den Jakobsberg (grün, Tunnelplanung von 2016) gehen. Der gelbe Abschnitt wäre der Anfang einer neuen Trasse von Bielefeld-Brake nach Seelze und könnte sich von Vlotho über Bückeburg (rosa, Untertunnelung des Wesergebirges) oder von Porta Westfalica entlang der A2 (blau) nach Seelze fortsetzen. Das Foto zeigt, wie eine neue ICE-Trasse aussieht – hier eine Strecke in Sachsen-Anhalt.

Bielefeld (WB) – In 31 Minuten mit dem ICE von Bielefeld nach Hannover: Bei diesem Ziel, vorgegeben vom Bundesverkehrsministerium im Rahmen des sogenannten Deutschland-Taktes, bleibt es.

Aber die Deutsche Bahn hat als Auftragsnehmer des Bundes am Donnerstag ausdrücklich betont, dass sie nicht an eine der fünf bislang diskutierten Trassenvarianten (Liste links) gebunden ist. Die Entwürfe seien im Auftrag des Ministeriums erstellt worden.

„Die fünf Varianten sind Modelle, die eine Orientierung geben. Es gibt keine Vorzugsvariante. Wir planen trassenoffen“, sagte Carsten Müller von der DB Netz AG. Der Leiter des Bahnprojekts Hannover-Bielefeld stellte auch klar, dass ein Ausbau der bestehenden Trasse keine Lösung sein könne: „In Löhne und Wunstorf gibt es nicht den Platz, um zwei Gleise neben die Bestandstrasse zu legen.“ Das Planungspapier sei „weiß und unbeschrieben“, sagte Peter Mantik, Bahnsprecher für Großprojekte im Norden Deutschlands.

Im Rahmen des Deutschland-Taktes soll die ICE-Fahrt von Köln nach Berlin weniger als vier Stunden dauern. Dazu müssen etwas mehr als 20 Minuten herausgeholt werden. 17 Minuten davon auf der Strecke von Bielefeld nach Hannover (von 48 auf 31 Minuten).

In Ostwestfalen-Lippe und im Schaumburger Land hat sich viel Widerstand ge­gen den Trassenneubau formiert. In Vlotho (Kreis Herford) haben sich schon knapp 500 Personen der Bürgerinitiative angeschlossen, und in Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke) waren am vorigen Samstag 500 Leute in Eisbergen auf der Straße, um gegen einen Neubau fern der Bestandstrasse zu protestieren.

Auch die Landwirte der betroffenen Kreise lehnen die Pläne ab, weil sie Agrarflächen zu verlieren drohen. Politisch versuchen bislang vor allem die SPD-Bundestagsabgeordneten der betroffenen Kreise, einen Neubau noch zu verhindern. „Wir fordern, dass eine weitere Variante in den Bürgerdialog aufgenommen wird, nämlich der Ausbau von Minden nach Haste“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Schwartze aus Vlotho dem WESTFALEN-BLATT. Außerdem verlangt er eine Kosten-Nutzen-Analyse aus dem Bundesverkehrsministerium.

Auch die CDU im Kreis Herford fordert den Verlauf mit den „geringsten Eingriffen in Natur und Landschaft. Eine Zerschneidung der Landschaft lehnen wir ab. Die neue Trasse sollte daher die bisherige Streckenführung von Bielefeld nach Bad Oeynhausen nutzen und erst dort abzweigen. So würde sie bereits nach wenigen hundert Metern an der A 2 entlanggeführt werden können.“

Mit verschiedenen Dialogformaten will die Bahn auf „die Menschen in der Region zugehen“. Den Auftakt macht eine digitale öffentliche Veranstaltung am 14. Januar. Zudem gibt es regelmäßig einen Planungsdialog mit etwa 80 bis 90 Personen, darunter alle Bürgermeister, Landräte, Minister oder Staatssekretäre sowie Vertreter der Bürgerinitiativen und der Landwirtschaft. Bürger können sich bei Info-Märkten in betroffenen Kommunen einbringen. Diese Märkte sollen 2021 beginnen.

„Wir haben einen Projektraum, in dem wir Raumwiderstände identifizieren. Die bisherigen Machbarkeitsstudien enthalten noch keine tiefe Planung“, sagte Carsten Müller, dessen Projektgruppe derzeit sieben Ingenieure umfasst.

„Wenn es nicht 31 Minuten sind, wird es spannend. Dann müsste man den Deutschland-Takt anpassen“, so Müller. In diesem Fall würde die Bahn den Ball zurück an den Bund spielen.

Der Bau einer komplett neuen Trasse würde zehn Jahre dauern, so Müller, der Ausbau im Bestand dauere länger und sei teurer.

Quelle: Westfalen-Blatt.de vom 11.12.2020 Autor: Andreas Schnadwinkel


Kommentar von Pro-Ausbau

Als Ergänzung zu dem letzten Satz, der Aussage Müllers, der Ausbau im Bestand dauere länger und sei teurer können wir nur noch mal an die Aussage Karsten Beckers, MdL Niedersachsen, erinnern: „Wir haben immer gesagt: Wenn Ihr trassennah ausbaut, habt Ihr unsere volle Unterstützung. Dann könnt Ihr morgen planen und übermorgen die Bagger anrollen lassen.“ Und die Angaben zu den Millionen-Investitionen in dem Trassenvarianten-Vergleich sprechen da auch eine andere Sprache.

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